Fellechsel beim Pferd

Fellwechsel beim Pferd verstehen statt blind zufüttern

Der größte Fehler im Fellwechsel beim Pferd

Jedes Jahr im Frühling beginnt im Stall das gleiche Muster.
Sobald die ersten Pferde anfangen zu haaren, tauchen überall Empfehlungen auf.

Jetzt Fellwechselkräuter füttern.
Die Leber unterstützen.
Den Stoffwechsel aktivieren.

Brennnessel, Mariendistel, Bierhefe, Zink oder Schwefel werden plötzlich Teil der täglichen Fütterung. Oft mehrere Dinge gleichzeitig.

Was dabei fast nie passiert ist eine einfache Frage.
Braucht dieses Pferd überhaupt Unterstützung?

Viele Pferde bekommen im Frühling Zusatzstoffe, obwohl ihr Körper den Fellwechsel völlig selbstständig bewältigen kann.

Genau hier beginnt das eigentliche Problem.


Der Fellwechsel ist ein natürlicher Prozess

Der Fellwechsel wird nicht durch Kräuter ausgelöst.
Er wird hauptsächlich durch Tageslicht gesteuert.

Wenn die Tage länger werden, verändert sich die Hormonsteuerung im Körper des Pferdes. Diese Veränderung sorgt dafür, dass das Winterfell abgestoßen wird und neues Fell wächst.

Dieser Prozess läuft bei gesunden Pferden von allein ab. Der Körper weiß genau, wann er damit beginnen muss.

Das bedeutet nicht, dass Unterstützung grundsätzlich falsch ist. Es bedeutet nur, dass Unterstützung nicht automatisch notwendig ist.


Wenn der Fellwechsel schwerer fällt

Manche Pferde brauchen im Frühling tatsächlich mehr Unterstützung. Sie haaren sehr lange, wirken müde oder ihr Fell wirkt stumpf.

In solchen Fällen liegt die Ursache selten daran, dass ein bestimmtes Kraut fehlt.

Der Fellwechsel ist für den Körper eine anstrengende Phase. Neues Fell aufzubauen kostet Energie und Nährstoffe. Der Stoffwechsel muss dabei viele Prozesse gleichzeitig leisten.

Dazu gehören zum Beispiel

eine ausreichende Versorgung mit Eiweiß
Spurenelemente wie Zink und Kupfer
genug Energie aus der täglichen Fütterung
eine stabile Funktion von Leber und Stoffwechsel

Wenn in diesem System etwas nicht richtig funktioniert, kann der Fellwechsel langsamer oder schwieriger verlaufen.

Das eigentliche Problem liegt dann meist im gesamten Fütterungssystem und nicht in einem fehlenden Zusatz.


Mehr Zusätze lösen selten das Grundproblem

Ein typischer Reflex im Stall ist schnell etwas hinzuzufüttern. Wenn ein Pferd lange haart, wird häufig sofort nach einem Zusatz gesucht.

Ein bekanntes Beispiel ist Zink.

Zink spielt tatsächlich eine wichtige Rolle für Haut und Fell. Deshalb wird es im Fellwechsel oft zusätzlich gefüttert.

Was dabei häufig übersehen wird ist, dass Mineralstoffe im Körper immer miteinander zusammenarbeiten. Wenn ein Spurenelement stark erhöht wird, kann das die Aufnahme anderer Stoffe beeinflussen.

Wer Zink einfach auf Verdacht erhöht, kann dadurch neue Ungleichgewichte entstehen lassen.

Das Problem ist also nicht der einzelne Stoff. Das Problem ist die Entscheidung, etwas zu geben, ohne zu wissen, ob es überhaupt gebraucht wird.


Der wichtigste Schritt wird oft übersprungen

Bevor zusätzliche Kräuter oder Mineralstoffe gefüttert werden, sollte immer zuerst die Grundlage betrachtet werden.

Wie sieht die tägliche Fütterung wirklich aus?
Welche Nährstoffe liefert das Heu?
Welche Mineralstoffe sind bereits enthalten?
Gibt es überhaupt Hinweise auf einen Mangel?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, kann man entscheiden, ob Unterstützung sinnvoll ist.


Kräuter sind Werkzeuge und kein Standardprogramm

Kräuter können den Stoffwechsel unterstützen. Sie können Organe begleiten und regulierend wirken.

Aber sie sind kein Pflichtprogramm für jedes Pferd im Frühling.

Es gibt Jahre, in denen ein Pferd völlig problemlos durch den Fellwechsel geht. In solchen Fällen ist es oft das Beste, gar nichts zu verändern.

Natürliche Pferdehaltung bedeutet nicht möglichst viel zu füttern. Sie bedeutet zu verstehen, wann der Körper Unterstützung braucht und wann nicht.

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