Trotz 6 kg Kraftfutter kein körperlicher Aufbau
Als ich dieses Pferd näher kennenlernte, bestand die Gewichtsproblematik bereits. Er war zuvor aus einem anderen Stall gekommen. Anfangs schien zunächst alles gut zu laufen, doch mit der Zeit wurde immer deutlicher, wie stark er auf Stress reagierte.
Dann veränderte sich die Herde deutlich. Drei Pferde gingen und für ihn bedeutete das erneut viel Unruhe. In dieser Zeit hatte er eine Kolik. Kurz darauf folgte eine erhebliche Hufproblematik, die zeitweise mit Hufverbänden versorgt werden musste.
Sein körperlicher Zustand verschlechterte sich zunehmend. Er verlor deutlich an Gewicht und Substanz und es gelang nicht, ihn wieder vernünftig aufzubauen.
Immer mehr Futter und trotzdem kein Aufbau
Seine Besitzerin hatte in dieser Zeit sehr viel versucht. Sie hatte sich beraten lassen, verschiedene Empfehlungen umgesetzt und immer wieder nach Möglichkeiten gesucht, ihrem Pferd zu helfen.
Weil er so schlecht aufbaute, lautete die Empfehlung immer wieder, mehr zu füttern.
Irgendwann war die Ration so umfangreich geworden, dass er täglich rund 6 kg Kraftfutter bekam. Die gesamten Futterkosten lagen bei ungefähr 300 Euro im Monat.
Und trotzdem baute er nicht auf.
Was sich in der Fütterungsanalyse zeigte
Als ich mir seine komplette Fütterung ansah, war für mich relativ schnell klar, dass wir nicht noch mehr hinzufügen mussten.
Im Gegenteil.
Die Ration war inzwischen sehr umfangreich geworden. Also begannen wir damit, sie Stück für Stück zu verändern und zu vereinfachen. Auch das Mineralfutter wurde angepasst.
Das ging bewusst langsam. Seine Besitzerin hatte mit ihm bereits viel erlebt und entsprechend große Sorge, dass sich sein Zustand durch eine Veränderung wieder verschlechtern könnte.
Deshalb haben wir nicht einfach von heute auf morgen alles umgestellt. Wir sind Schritt für Schritt vorgegangen und haben immer wieder geschaut, wie er auf die Veränderungen reagiert.
Dann kam der Husten
Im Frühjahr kam zunächst ein Infekt mit Husten dazu. Auch hier haben wir ihn mit ausgewählten Kräutern begleitet.
Der Husten blieb zunächst bestehen. Im weiteren Verlauf haben wir deshalb zusätzlich den Darm gezielt unterstützt und die Fütterung entsprechend weiterentwickelt.
Danach verschwand der Husten vollständig.
Auch an anderer Stelle begann sich etwas zu verändern. Beim Reiten hatte er zuvor sehr stark geäppelt, besonders in Situationen, in denen er angespannt war. Heute äppelt er stressfrei teilweise gar nicht mehr oder nur noch ein bis zwei Mal.
Er wirkt insgesamt entspannter und beginnt wieder, Muskulatur und körperliche Substanz aufzubauen.
Und heute?
Von der ursprünglichen Fütterung ist nicht mehr viel übrig.
Heute bekommt er eine wesentlich reduzierte Ration mit anderen, natürlicheren und für ihn passend ausgewählten Futtermitteln.
Auch die Futterkosten sind mit den früheren rund 300 Euro im Monat nicht mehr vergleichbar.
Vor allem aber passiert heute das, was trotz der großen Futtermengen vorher nicht gelungen ist:
Er baut wieder auf.
Das sagt seine Besitzerin
„Kein Husten mehr, vollständig weg.“
„Kein übermäßiges Äppeln beim Reiten. Stressfrei äppelt er gar nicht oder höchstens ein bis zwei Mal.“
„Baut langsam Muskeln auf und wird langsam runder.“
„Die drei Punkte sind lebensverändernde Qualitäten, die seit 3 Jahren nicht zu erreichen waren.“
Was dieser Fall für mich zeigt
Wenn ein Pferd trotz immer größerer Futtermengen nicht aufbaut, ist die Antwort nicht automatisch noch mehr Futter.
Manchmal lohnt es sich, genau hinzusehen, was bereits im Trog landet, wie die einzelnen Komponenten zusammenspielen und was dieses Pferd tatsächlich braucht.
Genau darum geht es mir in meiner Arbeit.
Nicht einfach etwas dazuzugeben, sondern das Pferd und seine gesamte Fütterung anzuschauen und daraus einen Weg zu entwickeln, der wirklich zu diesem Pferd passt.
